Michael Knautz beim "Red Bull Tri Island" - abgefahrener geht es kaum noch!

Geschrieben von Pete am . Veröffentlicht in News

Schwimmen in meterhohen Wellen ohne zu sehen wohin - windschattenfreies Radfahren bei extremstem Gegenwind - scheinbar nicht endendes laufen. Da denken die meisten Sportinteressierten zunächst an den Ironman auf Hawaii. "Die Reisestrapazen kann man sich sparen, sowas gibts hier auch!" wird Michael Knautz darauf zukünftig entgegnen. Der Triathlet und Langstreckenspezialist in Diensten der TSG 08 Roth hat am vergangenen Wochenende genau so ein Spektakel aktiv miterleben dürfen - allerdings nicht auf Hawaii, sondern in der Nordsee!
"Red Bull Tri Island" lautete das sportliche Beisammensein, zu dem der Energiedrink-Hersteller, ohnehin bekannt für Sportveranstaltungen mit erhöhtem Adrenalinfaktor seine Gäste in das Inseldreieck Amrum-Föhr-Sylt geladen hat. Insgesamt 388 Triathleten unterschiedlichster Herkunft sind diesem Aufruf gefolgt, um bei Wind und Wellen zum sportlichen Inselhopping an den Start zu gehen, 100 davon sollten das Ziel nicht erreichen.

Michael Knautz werfen schwierige äußere Bedingungen bekanntlich nicht so leicht aus der Bahn und so lautete sein Fazit nach erfolgreichem Finish: "Das war so genial - wenn die das nächstes Jahr nochmal machen, bin ich auf jeden Fall wieder dabei!"
Dieses Naturerlebnis hat ihm also offensichtlich auch noch Spaß gemacht - kaum vorzustellen, wenn man sich vor Augen führt, was Michael Knautz auf dieser sogenannten "Kurzdistanz" so alles erleben durfte. Per Fähre und Shuttlebus wurden die da noch gutgelaunten Teilnehmer morgens zum Startplatz nach Amrum chauffiert. Um 14.00 gings für Michael Knautz und Mitstreiter von dort dann los: schwimmen war angesagt zur Nachbarinsel Föhr, eine Etappe die sonst vorzugsweise mit der Fähre zurückgelegt wird. Der Veranstalter hatte diese mit 2,5km angegeben. Dank Wind, Wellen und teilweise "starken unberechenbaren Strömungen", so O-Ton Knautz, kam so mancher mit GPS ausgestatteter Teilnehmer hier mit etwas Erstaunen bereits auf eine Distanz von 5,5 km.
Die Nordsee ist eben launisch und macht da auch bei Triathleten keine Ausnahme. So kam es dann auch, das die Neoprentorpedos ihr Zwischenziel für den ersten Wechsel, der Strand vor dem Kurhaus von Utersum, unterwegs nur selten zu Gesicht bekamen. Erst nach der auf halber Schwimmstrecke liegenden Sandbank wurde die Sicht etwas besser und die Starter konnten trotz immer noch starkem Wellengang zumindest erahnen, wohin die Reise im Wasser ungefähr gehen sollte. Ergebnis war ein heilloses Durcheinander im Wasser, weil eben jeder seine Ideallinie durch die Nordsee ein klein wenig anders gelegt hatte. Auch das Knautz'sche Navigationssystem hatte offensichtlich seine Schwierigkeiten mit den Strömungen, 3,6km zeigte der Tacho des Allersberger bei Erreichen des Ausstiegs an. Knautz münzte - wie die meisten anderen Starter auch - die Schwimmstrecke von einer Kurzdistanz somit umgehend in eine Langdistanz um. Umso bemerkenswerter allerdings, dass er für dieses doch etwas anders geartete Schwimmen gerade mal 56 Minuten benötigte!
Keine Orientierungsprobleme, keine Wellen, keine Strömungen, dafür eine ordentliche Ladung Wind - so präsentierte sich die anschließende Radstrecke dem Teilnehmerfeld. Zwei Runden durch den nördlichen Teil der Insel Föhr galt es zu absolvieren, machte in Summe 40 Kilometer auf meist flachen, verkehrsarmen aber umso windanfälligeren Straßen. Zuschauer, die einen dabei mit Anfeuerungen unter die Arme greifen, suchte man in dieser doch sehr ländlichen Landschaft vergebens. Auch die zahlreichen Schafe, die das Geschehen mit doch etwas Erstaunen am Straßenrand verfolgten machten da keine Ausnahme. Michael Knautz bekamen sie dabei aber ohnehin nur kurz zu sehen, zu schnell war der TSG-Athlet mit seinem Rad unterwegs. Nach ausgezeichneten 1:10 Stunden Kampf gegen den Wind wechselte er auf die abschließende Laufstrecke.
Hier wurde nun mit Sylt auch der dritten Insel des "Tri Island"-Verbundes die Ehre erwiesen. Je zwölf Rad-Finisher durften sich für den hierzu notwendigen letzten Hüpfer auf die Ferieninsel ein Schnellboot teilen, um zur Laufstrecke zu gelangen. 30 Minuten dauerte dieser spektakuläre Ritt über das Wattenmeer - Ausdruck für einen Triathlonwettbewerb der ganz besonderen Art. Nichtmal auf Hawaii gibts sowas. Pech für die gut 100 Starter, die den Cut-off von 16:50 Uhr nicht mehr schafften und doch etwas frustriert den davonbrausenden Booten hinterhersehen mußten. Für sie war das Abenteuer "Red Bull Tri Island" ab da beendet, zumindest für dieses Jahr.

Wer von den noch verbliebenen Athleten aber glaubte, den Wettkampf nun im Sack zu haben, sah sich abermals getäuscht. Auch die 10,8 Kilometer lange Laufstrecke auf Sylt hielt noch die ein oder andere Gemeinheit bereit. So zum Beispiel die gleich zum Streckenbeginn platzierte 200m lange Bergwertung, bei der die ohnehin schon geschundenen Athleten über Treppen und Pfade eine exponierte Düne erklimmen mussten. Damit die angehenden "Tri Island" Helden diesen besonderen Wettkampf auf gar keinen Fall vergessen, wurden zu guter Letzt die letzten 4 Kilometer der Laufstrecke auch noch durch Dünensand geführt. Wer schon mal am Strand joggen war, weiß wie anstrengend das ist. Dies hat dann auch Michael Knautz die letzten Körner gekostet. An Schlußspurt zum Zieleinlauf war dann auch für ihn nicht mehr zu denken, dennoch legte er mit 53 Minuten über die 10,8 Kilometer nochmal eine fabelhafte Laufzeit hin.
Unterm Strich finishte Knautz in sehr starken 3:38 Stunden, was ihm den 71. Platz von insgesamt 271 gewerteten Mitstreitern (Rang 12 in seiner Altersklasse) einbrachte. Wieder mal ein bärenstarker Auftritt des TSG-Athleten bei einem nicht ganz alltäglichen Triathlonevent!

 



 

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