Schattner ist Doppelweltmeister

Geschrieben von Super User am . Veröffentlicht in News

Biathle- und Triathle-WM in Hurghada für den Nürnberger sehr erfolgreich

Vom 25. bis 28. Oktober fanden in Hurghada (Ägypten) die UIPM-Weltmeisterschaften im Biathle und Triathle statt. Beides stellt eine reduzierte Form des modernen Fünfkampfes dar. Während man im Biathle „nur“ die Disziplinen Laufen, Schwimmen, Laufen absolvieren muss, kommt beim Triathle auch noch das Schießen mit einer Laserpistole hinzu. Von der Belastung her erinnert letzteres mehr den Biathlon, denn auch hier muss die Balance gefunden werden, zwischen maximaler körperlicher Anstrengung und ruhiger Genauigkeit. Beim Triathle muss zuerst mit der Laserpistole ein Ziel fünfmal getroffen werden, bevor man zum Schwimmen und anschließend zum Laufen gehen darf. Da das Ganze insgesamt nonstop viermal hintereinander wiederholt wird, darf der Athlet beim Laufen nicht über seine Grenzen gehen, denn immerhin wartet gleich wieder der Schießstand auf ihn. Und gerade das präzise Schießen nach dem pulstreibenden Laufen macht den Reiz dieser Sportart aus, denn hier finden viele Positionswechsel statt, was die Attraktivität für den Zuschauer fördert.

Schattner fand erst seit der EM in Weiden zu dieser Sportart (wir berichteten) und holte dort, trotz einer durchwachsenen Schießleistung, im Triathle Silber und im Biathle sogar Gold. Durch diesen Erfolg, ließ er sich dann überreden auch bei der WM in Ägypten anzutreten. Damit konnte Deutschland in der Altersklasse 50+ sogar eine Mannschaft stellen, denn der erfahrene Enno Schönung aus Brühl und der in Südafrika lebende, laufstarke Andreas Harms hatten sich ebenfalls angemeldet. In der AK 50+ sind im Biathle die Distanzen auf 1200m laufen – 100m schwimmen – 1200m laufen festgelegt und im Triathle müssen viermal nach dem Schießen 50m geschwommen und 600m gelaufen werden.

Marcus Schattner musste seit Weiden daher nicht nur an seiner Sprintfähigkeit arbeiten, sondern sich auch besonders intensiv um seine Schießpräzision kümmern. Unterstützt wurde er dabei von Thomas Hierl vom Post SV Nürnberg, mit dem er viele sogenannte „Laser-Runs“ (also ein ständiger Wechsel zwischen Laufen und Schießen) abgehalten hat.

In Hurghada wurde es dann am Samstag für den gebürtigen Rother ernst, denn da standen die Triathle-Wettkämpfe auf dem Programm. Außer der Konkurrenz aus dem eigenen Land, galt es, sich vor allem der schnellen Spanier zu erwehren. Aber Schattner erwischte einen guten Start und leistete sich trotz anfänglicher Nervosität und böigem Wind nur 4 Fehlschüsse. Nach 35 Sekunden konnte er den Schießstand schon wieder verlassen und hatte nur zwei Spanier und einen Ungarn vor sich. Schönung und Harms leisteten sich dagegen zu viele Fehlschüsse und mussten die Maximalzeit von 50 Sekunden absitzen. D.h. sie waren erst nach knapp einer Minute wieder aus dem Schießstand draußen und da war der Zug an der Spitze natürlich schon abgefahren. Vorne lag die Konkurrenz ganz dicht zusammen und jetzt konnte Marcus Schattner seine Fähigkeiten aus dem Triathlon ausspielen. Nach einem schnellen Wechsel hatte er den Ungarn schon auf den ersten Schwimmmetern im Roten Meer überholt und den zweitplatzierten Spanier holte er sich in der Wechselzone vom Schwimmen zum Laufen. Jetzt machten sich auch die vielen schnellen Laufkilometer aus dem Training bezahlt: Immer näher kam er an den führenden Spanier heran. Der Nürnberger verzichtete aber noch vorbeizugehen, um beim zweiten Schießen weiter eine ruhige Hand zu haben. Denn auch im zweiten Durchgang schoss der Spanier wieder schneller, konnte sich aber nicht entscheidend absetzen, da auch Schattner sich wieder nur vier Fehlschüsse leistete und ihm somit an den Fersen haftete. Jetzt aber übernahm der gelernte Triathlet dann beim Laufen die Führung. Allerdings musste er diese beim Schießen wieder sofort wieder abgeben. Ebenso beim dritten und vierten Durchgang. Zwar konnte Schattner nie so schnell wie der Spanier schießen, der jedes Mal vor ihm den Schießstand verließ, aber er schaffte es, sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Ganz im Gegenteil: Bei den letzten beiden Durchgängen kam der Nürnberger sogar mit nur drei Schießfehlern aus und das bedeutete die Entscheidung. Im vierten und letzten Durchgang übernahm Schattner schon vor der Schwimmwende die Führung und gab sie bis ins Ziel nicht mehr ab. Andreas Harms konnte sich, dank einer starken Laufleistung, noch nach vorne arbeiten und erkämpfte sich, mit einem Rückstand von 1:24 min auf dem Sieger, noch auf den dritten Platz. Dahinter kamen aber schon die anderen beiden schnellen Spanier, die sich somit das Mannschaftsgold sicherten und Deutschland auf den zweiten Platz verdrängten.

Am Sonntag endete dann die WM am Roten Meer mit den Biathle-Wettkämpfen. Hier kam es in der AK 50+ dann auch zu dem erwarteten Zweikampf zwischen Spanien und Deutschland. Gestartet wurde zusammen mit den jüngeren Biathleten aus der AK40+ und aus dieser AK legten drei Südafrikaner gleich zu Beginn ein höllisches Lauftempo vor. Harms, der sein Heil in der Flucht nach vorne suchte, gelang es sogar diese Pace mitzugehen, aber auch Schattner kämpfte auf den ersten 1200 Metern, um den Abstand nicht zu groß werden zu lassen. Er musste sich also auf seine Schwimm- und Wechselfähigkeiten verlassen und diese Taktik ging tatsächlich auf. Auf den letzten 30 Schwimmmetern hatte er Harms überholt und nach dem Schwimm-Lauf-Wechsel sogar zu einem der jungen Südafrikaner aufgeschlossen. Diesen benutze er dann als Schrittmacher und so konnte er den knappen Vorsprung über die ganze abschließende Laufstrecke konstant halten. Harms, der wenige Sekunden nach ihm ins Ziel lief, komplettierte den deutschen Doppelerfolg in der AK 50+. Dahinter kamen aber auf Platz 3 bis 5 schon die Spanier und so lag alles an Enno Schönung, den Zeitabstand nicht zu groß werden zu lassen. Angefeuert von den anwesenden deutschen Zuschauern und Athleten, kämpfte er sich auf Rang 10 vor und sicherte seinem Team damit das Mannschaftsgold. Bronze ging mit einigem Abstand an das heimische Team Ägypten.

Für Schattner kam nach dem Triathle- und Biathle-Einzeltitel dadurch sogar noch der WM-Titel in der Biathle Mannschaft hinzu und mit vier Medaillen im Heimgepäck durfte er mehr als zufrieden nach seiner ersten WM sein.

Hurghada Schießen

Trotz Anstrengung ruhig und konzentriert: Schattner am Schießstand

schatti ziel

Sieg am Roten Meer: Gold im Triathle-Einzel und im Biathle-Einzel

 

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